Projekt Nordlicht #2: Der Umzug

Umzug von Köln aus in die Stadt, deren Dom alles andere ist als eine Kirche, eine Stadt in der es legitim ist verblasste Anker-Tattoos zur Schau zu stellen – Umzug nach Hamburg! An alle Organisationstalente, Ordnungsgenies und Strukturfanatiker da draußen, leider gehöre ich nicht zu eurer Entourage! Ich erfülle eher die Charakteristik eines Organisationslegasthenikers!

3Aber lasst Euch nicht lumpen, so ein Umzug will ordentlich geplant werden! Eine „Et kütt wie et kütt“ Einstellung nach kölscher Mentalität hilft da nicht viel. Wer schon mal in die leichte und unbequeme Bedrängnis eines spontanen Umzuges gekommen ist, kann dieses charmante Chaos hoffentlich nachvollziehen. Nein, es ist zwar nicht unbedingt die klügste, aber naheliegendste Idee, eine exzessive Abschiedsparty in der Nacht vor dem großen Umzug zu schmeißen. Klebende Böden und leere Bierkästen bremsen die Umzugsdynamik in der Regel nämlich wunderbar aus! Auch Umzugshelfer sind in diesen Zeiten rar gesät und mögen früh informiert werden! So lässt es sich manchmal nicht vermeiden, kurzerhand die robuste Reinigungskraft im Rockabilly-Stil aus dem Treppenhaus mit ein paar übrig geblieben Kölsch zu bestechen, um schwere Kisten und sperrige Möbelstücke aus dem vierten Stock ins Erdgeschoss zu befördern.

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Wenn dann aber endlich alles von der Einwegkamera bis zum Sandwichtoaster, gemeinsam mit den besten verstaut worden ist, wenn nicht nur die eigenen Gliedmaßen, sondern auch die zurückgelassenen Wände die ein oder andere Blessur davongetragen haben, dann folgt ein ebenso schwermütiger wie meditativer Augenblick: das beim Asiaten des Vertrauens georderte Dinner aus silbernem Einmalgeschirr auf dem Boden der gähnend leeren Wohnung verzehren! Das ist der Moment des bewussten Abschiednehmens. Ein bewegender Moment zwischen Kimchi und Phad Thai, der ebenso ergreifend wie hoffnungsvoll erscheint. Wir schwelgen in Erinnerungen an milde Abende in den vielen gemütlichen Cafès im Belgischen Viertel und durchzechte Nächte in Ehrenfeld, dann spekulieren wir wild über die Zukunft in Hamburg und dem berühmt berüchtigten Kiez. Lässt sich das Hamburger Schanzenviertel wirklich mit Berlin vergleichen? Und wie wird der Kaffee im Café Paris wohl schmecken? Am nächsten Tag geht es auf nach Hamburg. Das Gepäck reist gediegen in Mutters Anhänger, aber um alle fleißigen Helfer unbeschadet in den hohen Norden zu befördern, greifen wir auf die Transportdienste des Hamburg-Köln-Express zurück!

Endlich in Hamburg angekommen ist es spät und dunkel, der Umzug ist geschafft und alles soll harmonisch bei einem willkürlich gewählten Italiener ausklingen. Pasta und Pizza, das sollte alle zufriedenstellen, wäre da nicht… ja wäre da nicht dieses „GoldFischGlas“. Mal ehrlich, mir war niemals bewusst, dass es diese Dinger tatsächlich außerhalb von diversen Zeichentrickfilmen wirklich gibt! Ich wurde eines besseren belehrt! Das „GoldFischGlas“ ist nicht nur eine der gefragtesten Bars im Sternschanzenviertel, nein, das Goldfischglas steht mitten auf der Theke des besagten italienischen Restaurants. Da leben tatsächlich zwei Goldfische drin! Mag meine Tierliebe noch so übertrieben sein, aber das ist doch wirklich bekloppt! Auf diesen Schreck und ein Gläschen Wein kehren wir noch in der eben genannten Bar ein! Hier gibt es keine Goldfische, nur eine Menge Gläser! In diesem besinnlichen Ambiente schmieden wir Pläne über zukünftige Besuche via HKX. Der erste Abend in der neuen Heimat neigt sich gen Ende. Mal sehen, wann mich dieser Kiez in seinen Bann zieht und nicht nur Zuhause sondern auch Heimat bedeutet!

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